Inspektionsarbeiten beim Abwasserverband Modau: Fünf Tage lang kontrollieren Spezialtaucher unsere beiden Faultürme – und das bei laufendem Betrieb. Wer an Tauchen denkt, hat meist klares Wasser und bunte Fische vor Augen. Für ein Team von spezialisierten Berufstauchern sieht die Realität aktuell anders aus: Sie steigen im Klärwerk des Abwasserverbandes Modau in unsere beiden, jeweils 1.600 Kubikmeter großen Faultürme. Ihr Auftrag: Eine gründliche Inspektion und Reinigung, die insgesamt fünf Tage in Anspruch nimmt.
Warum taucht man im Klärschlamm?
Im Laufe der Zeit lagern sich auf dem Boden der Faultürme Sand und feste Stoffe ab. Zudem bilden sich oft sogenannte „Verzopfungen“ aus Haaren und falsch entsorgten Feuchttüchern. Diese können die Rührwerke blockieren und das nutzbare Volumen der Türme verringern.
Die Taucher saugen diese Ablagerungen gezielt ab und überprüfen gleichzeitig die Innenwände und die Technik per Ultraschall und Tastbefund auf Schäden.
Voller Einsatz bei 38 Grad und absoluter Dunkelheit.
Der Job im Faulturm gehört zu den extremsten Aufgaben im Tauchberuf:
Null Sicht: Im dichten Klärschlamm sieht man absolut gar nichts. Die Taucher arbeiten komplett im Blindflug und navigieren rein durch Ertasten.
Hitze: Der Schlamm ist rund 38 °C warm. Das Team trägt deshalb Spezialanzüge, die vor der Hitze und dem Schlamm schützen.
Sicherheit zuerst: Die Taucher sind über Luftschläuche und Funk fest mit der Oberfläche verbunden. Ein Sicherungstaucher steht oben jederzeit bereit, um im Notfall sofort einzugreifen.
Der große Vorteil: Kein Stillstand!
Der größte Pluspunkt dieser Methode: Die Faultürme müssen für die Reinigung nicht aufwendig entleert und abgeschaltet werden. Die Biologie im Turm bleibt stabil, und die Anlage läuft einfach weiter. Das spart Zeit, schont die Umwelt und senkt die Kosten für den Verband.
18. August 2026